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Die Verbitterung

Obwohl reaktive psychische Störungen, psychische Belastungsreaktionen oder Anpassungsstörungen im klinischen Alltag eine große Rolle spielen, oft schwer zu behandeln sind und häufig zu Chronifizierung und erheblichen Beeinträchtigungen führen, sind die diagnostischen Kriterien vergleichsweise unscharf. Eine Ausnahme ist die „Posttraumatischen Stresserkrankung“, die als Angststörung zu verstehen ist. Analog dazu lassen sich in der klinischen Praxis weitere emotionale Reaktionstypen abgrenzen, wie beispielsweise die von Linden (2003) beschriebene „posttraumatische Verbitterungsstörung, PTED“.

Auslöser ist ein außergewöhnliches, wenn auch lebensübliches negatives Lebensereignis, wie z. B. eine Kündigung, ein Konflikt am Arbeitsplatz, der Tod eines Angehörigen, familiären Konflikte oder eine Erkrankung. Das Ereignis hat einschneidende negative Konsequenzen für den Betroffenen und geht regelhaft mit einer persönlichen Kränkung und einer Verletzung zentraler Lebenswerte einher. In der Folge entwickeln die Betroffenen einen ausgeprägten und langanhaltenden Verbitterungsaffekt, einer Emotion eigener Qualität, die von Depressivität, Hoffnungslosigkeit oder Ärger unterschieden werden kann, obwohl sie durchaus auch gemeinsam auftreten können.

Bei der Erinnerung an das kritische Lebensereignis geben die Patienten vor allem Gefühle von Verbitterung (85,7%), Traurigkeit (81,0%), Ärger (76,2%) und Hilflosigkeit (75,0%) an. 70% der Patienten berichteten über Einschränkungen in beruflichen Aktivitäten,65% in Freizeitaktivitäten und 57,1% in familiären Aktivitäten (Linden 2004). Obwohl Verbitterung eine eindrucksvollere und vor allem auch zerstörerischere Emotion ist als Depression oder Angst, gibt es bislang noch immer vergleichsweise wenig Forschung darüber.

10:30-11:15 Uhr

Univ.-Doz. Dr. med. Dr. scient. RAPHAEL M. BONELLI

RAPHAEL M. BONELLI

 
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