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Verletzung - Verbitterung - Vergebung

Verletzung gehört zu den menschlichen Grunderfahrungen; schon in den Mythen ist der Held am ganzen Leib durch Drachenblut gestählt und nur an einer kleinen Stelle, wo „das Lindenblatt saß“, zwischen den Schulterblättern, verwundbar. Diese eine kleine Stelle läßt sich offenbar durch nichts abdichten – und durch sie kommt letztlich der Tod. Wie genau dieses alte Bild ist, zeigt die Erfahrung, daß Verletzungen zur condition humaine gehören: zum Menschen als Mängelwesen, als „Leidwesen“. Verletzung führt aber dann zur seelischen Lähmung, ja zum seelischen Tod, wenn die Antwort zur Verbitterung wird - bedeutet sie doch eine negative Konservierung der Verletzung, eine „Rinde“, wohinter die Wunde nicht vernarbt, und das heißt, daß sie im Geheimen weiterwirkend das Leben vergiftet.

Anstelle der „falschen“ Antwort durch Verbitterung heilt die Wunde durch Vergebung. Allerdings kann Vergebung nicht einfach gewollt und erteilt werden; sie bedarf einer Reifung des Verletzten. Die Kultur, die fremde und eigene Schuld bearbeitet, hat eine religiöse Grundierung, sie sieht sich nicht nur vor einer psychologischen Aufgabe. Die Frage nach umfassender Gesundung führt in den Bereich biblischer Aussagen: Unter welchen Kriterien gibt es die Lösung des Ungelösten? Was sichert uns gegen die eigene Selbstverletzung, die Verhärtung in Bitterkeit? Philosophische Reflexionen, auch nach der Erfahrung des 20. Jahrhunderts, führen zu einer Freilegung dieses Spannungsfeldes.

9:00 - 9:30 Uhr

Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. theol. hc. HANNA BARBARA GERL-FALKOVITZ

HANNA BARBARA GERL-FALKOVITZ

 
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